Act I Scene 3-3 O Blinde Augen lyricsby Wagner
Isolde
O blinde Augen, blöde Herzen! Zahmer Mut, verzagtes Schweigen! Wie anders prahlte Tristan aus, was ich verschlossen hielt! Die schweigend ihm das Leben gab, vor Feindes Rache ihn schweigend barg; was stumm ihr Schutz zum Heil ihm schuf mit ihr gab er es preis! Wie siegprangend heil und hehr, laut und hell wies er auf mich: "Das wär ein Schatz, mein Herr und Ohm; wie dünkt Euch die zur Eh'? Die schmucke Irin hol' ich her; mit Steg' und Wegen wohlbekannt, ein Wink, ich flieg' nach Irenland: Isolde, die ist Euer! Mir lacht das Abenteuer!" Fluch dir, Verruchter! Fluch deinem Haupt! Rache! Tod! Tod uns beiden! Brangäne (mit ungestümer Zärtlichkeit auf Isolde stürzend) O Süße! Traute! Teure! Holde! Goldne Herrin! Lieb' Isolde! (Sie zieht Isolde allmählich nach dem Ruhebett) Hör mich! Komme! Setz dich her! Welcher Wahn, welch eitles Zürnen! Wie magst du dich betören, nicht hell zu sehn noch hören? Was je Herr Tristan dir verdankte, sag, konnt' er's höher lohnen als mit der herrlichsten der Kronen? So dient' er treu dem edlen Ohm; dir gab er der Welt begehrlichsten Lohn: dem eignen Erbe, echt und edel, entsagt' er zu deinen Füßen, als Königin dich zu grüßen! (Isolde wendet sich ab) Und warb er Marke dir zum Gemahl, wie wolltest du die Wahl doch schelten, muß er nicht wert dir gelten? Von edler Art und mildem Mut, wer gliche dem Mann an Macht und Glanz? Dem ein hehrster Held so treulich dient, wer möchte sein Glück nicht teilen, als Gattin bei ihm weilen? Isolde (starr vor sich hinblickend) Ungeminnt den hehrsten Mann stets mir nah zu sehen! Wie könnt' ich die Qual bestehen? Brangäne Was wähnst du, Arge? Ungeminnt? (Sie nähert sich schmeichelnd und kosend Isolde) Wo lebte der Mann, der dich nicht liebte? Der Isolde säh' und in Isolden selig nicht ganz verging'? Doch der dir erkoren, wär' er so kalt, zög' ihn von dir ein Zauber ab: den bösen wüßt' ich bald zu binden. Ihn bannte der Minne Macht. (mit geheimnisvoller Zutraulichkeit ganz zu Isolde) Kennst du der Mutter Künste nicht? Wähnst du, die alles klug erwägt, ohne Rat in fremdes Land hätt' sie mit dir mich entsandt? Isolde (düster) Der Mutter Rat gemahnt mich recht; willkommen preis' ich ihre Kunst: Rache für den Verrat, Ruh' in der Not dem Herzen! Den Schrein dort bring mir her! Brangäne Er birgt, was Heil dir frommt. (Sie holt eine kleine goldne Truhe herbei, öffnet sie und deutet auf ihren Inhalt) So reihte sie die Mutter, die mächt'gen Zaubertränke. Für Weh und Wunden Balsam hier; für böse Gifte Gegengift. (Sie zieht ein Fläschen hervor) Den hehrsten Trank, ich halt' ihn hier. Isolde Du irrst, ich kenn' ihn besser; ein starkes Zeichen schnitt ich ihm ein. (Sie ergreift ein Fläschen und zeigt es) Der Trank ist's, der mir taugt! Brangäne (weicht entsetzt zurück) Der Todestrank! (Isolde hat sich vom Ruhebett erhoben und vernimmt mit wachsendem Schrecken den Ruf des Schiffvolks) Schiffsvolk (von außen) Ho! He! Ha! He! Am Untermast die Segel ein! Ho! He! Ha! He! Isolde Das deutet schnelle Fahrt. Weh mir! Nahe das Land! |