Wagner Act I Scene 5-2 War Morold Dir So Wert - Lyrics Hosting

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Act I Scene 5-2 War Morold Dir So Wert lyrics

by Wagner


Tristan
(bleich und düster)
War Morold dir so wert,
nun wieder nimm das Schwert
und führ es sicher und fest,
daß du nicht dir's entfallen läßt!

(Er reicht ihr sein Schwert dar)

Isolde
Wie sorgt' ich schlecht
um deinen Herren;
was würde König Marke sagen,
erschlüg' ich ihm
den besten Knecht,
der Kron' und Land ihm gewann,
den allertreusten Mann?
Dünkt dich so wenig,
was er dir dankt,
bringst du die Irin
ihm als Braut,
daß er nicht schölte,
schlüg' ich den Werber,
der Urfehde-Pfand
so treu ihm liefert zur Hand?
Wahre dein Schwert!
Da einst ich's schwang,
als mir die Rache
im Busen rang,
als dein messender Blick
mein Bild sich stahl,
ob ich Herrn Marke
taug' als Gemahl:
Das Schwert, da ließ ich's sinken.
Nun laß uns Sühne trinken!

(Sie winkt Brangäne. Diese schaudert zusammen, schwankt und zögert in ihrer Bewegung. Isolde treibt sie mit gesteigerter Gebärde an. Brangäne läßt sich zur Bereitung des Trankes an)

Schiffsvolk
(von außen)
Ho! He! Ha! He!
Am Obermast
die Segel ein!
Ho! He! Ha! He!

Tristan
(aus düsterem Brüten auffahrend)
Wo sind wir?

Isolde
Hart am Ziel!
Tristan, gewinn' ich die Sühne?
Was hast du mir zu sagen?

Tristan
(finster)
Des Schweigens Herrin
heißt mich schweigen:
fass' ich, was sie verschwieg,
verschweig' ich, was sie nicht faßt.

Isolde
Dein Schweigen faß ich,
weichst du mir aus.
Weigerst du die Sühne mir?

Schiffsvolk
(von außen)
Ho! He! Ha! He!

(Auf Isoldes ungeduldigen Wink reicht Brangäne ihr die gefüllte Trinkschale)

Isolde
(mit dem Becher zu Tristan tretend,
der ihr starr in die Augen blickt)
Du hörst den Ruf?
Wir sind am Ziel.
In kurzer Frist
stehn wir
(mit leisem Hohne)
vor König Marke.
Geleitest du mich,
dünkt's dich nicht lieb,
darfst du so ihm sagen:
"Mein Herr und Ohm,
sieh die dir an:
ein sanftres Weib
gewännst du nie.
Ihren Angelobten
erschlug ich ihr einst,
sein Haupt sandt' ich ihr heim;
die Wunde, die
seine Wehr mir schuf,
die hat sie hold geheilt.
Mein Leben lag
in ihrer Macht:
das schenkte mir
die holde Magd
und ihres Landes
Schand' und Schmach
die gab sie mit darein,
dein Ehgemahl zu sein.
So guter Gaben
holden Dank
schuf mir ein süßer
Sühnetrank;
den bot mir ihre Huld,
zu sühnen alle Schuld."

Schiffsvolk
(außen)
Auf das Tau!
Anker los!

Tristan
(wild auffahrend)
Los den Anker!
Das Steuer dem Strom!
Den Winden Segel und Mast!
(Er entreißt ihr die Trinkschale)
Wohl kenn' ich Irlands
Königin
und ihrer Künste
Wunderkraft.
Den Balsam nützt' ich,
den sie bot:
den Becher nehm ich nun,
daß ganz ich heut genese.
Und achte auch
des Sühneeids,
den ich zum Dank dir sage!
Tristans Ehre
höchste Treu'!
Tristans Elend
kühnster Trotz!
Trug des Herzens!
Traum der Ahnung!
Ew'ger Trauer
einz'ger Trost:
Vergessens güt'ger Trank,
dich trink' ich sonder Wank!

(Er setzt an und trinkt)

Isolde
Betrug auch hier?
Mein die Hälfte!
(Sie entwindet ihm den Becher)
Verräter! Ich trink' sie dir!

(Sie trinkt. Dann wirft sie die Schale fort. Beide, von Schauder erfaßt, blicken sich mit höchster Aufregung,
doch mit starrer Haltung, unverwandt in die Augen, in deren Ausdruck der Todestrotz bald der Liebesglut weicht. Zittern ergreift sie. Sie fassen sich krampfhaft an das Herz und führen die Hand wieder an die Stirn. Dann suchen sie sich wieder mit dem Blick, senken ihn verwirrt und heften ihn wieder mit steigender Sehnsucht aufeinander)